Gedankensplitter

Was unsere Zukunft bestimmen wird

Im Augenblick gibt es in den Medien und auf unzähligen Tagungen und Konferenzen eine lebhafte Diskussion darüber, dass Deutschland und Europa die Entwicklungen der Digitalisierung verpassen. Der Wettkampf zwischen den USA und China treibt den Prozess voran, und Europa weiß nicht so recht, wie es darauf reagieren soll, außer die Risiken für den Datenschutzes zu kontrollieren, und in der Industrie Roboter und selbstlernende Systeme einzusetzen.

Lassen wir einmal bei Seite, ob diese Behauptung stimmt, oder vielmehr eine anspornende Provokation ist. Ich glaube, wichtig wäre es das Augenmerk auf einen anderen Aspekt zu legen, nämlich darauf, dass mit unseren traditionellen Mitteln, wir weder bestehende wirtschaftliche und soziale Herausforderungen in den Griff bekommen, noch unsere Naturstoffe besser nutzen und schützen.

Wir wissen, dass die Ressourcen der Erde endlich sind, aber die Erdbevölkerung weiterhin wächst. Wir wissen, dass wir dem Klimawandel bisher ziemlich schutzlos ausgeliefert sind, obwohl wir Lösungsansätze kennen, wie die Erderwärmung begrenzt werden kann, und viele technologische Lösungen schon soweit getestet sind, dass sie in die industrielle Produktion und den kommerziellen Verbrauch gebracht werden könnten. Wir kennen Bedrohungen durch Naturkatastrophen, wie Fluten und Dürren, die durch eine andere Nutzung des Bodens und des Raumes reduziert werden können. Dazu braucht es veränderte Anreize für landwirtschaftliche Produzenten und öffentliche Infrastrukturmaßnahmen. Wir kennen die Bedrohung durch Krankheiten und wissen, dass einige dieser Herausforderungen komplexer sind, als die Entwicklung eines ambitionierten Weltraumprojektes.

Anfang dieses Millenniums nahmen sich Bill und Melinda Gates Präsident Kennedys Vorgabe an die NASA zum Vorbild, zu einem vorherbestimmten Datum einen Mann auf dem Mond zu landen. Auf ähnliche Weise wollten sie die Malaria ausrotten. 15 Jahre später und nach Einsatz von Milliarden US Dollar, ist der Parasit, der Malaria verursacht, nicht besiegt. Er lernt schneller und passt sich an, so dass es zwar weniger Menschen gibt, die an Malaria erkranken und daran sterben, aber einen durchschlagenden Erfolg hat es noch nicht gegeben. Es muss eine ernüchternde Erkenntnis für Bill und Melinda Gates sein, dass manche Probleme sich eben nur im steten und langfristigen Einsatz und durch menschliches Lernen erfolgreich angehen lassen.

Diese Aussicht führt unter anderem schon heute dazu, dass viele junge Menschen, die sich der Disziplin einer Berufsausbildung nicht mehr unterziehen,langfristig arbeitslos bleiben oder nur niedrig bezahlte Arbeit bekommen. 2019 gibt es in Deutschland in der Altersgruppe der 20-34jährigen 2,1 Millionen Menschen, die keine Berufsausbildung haben. Es gibt von etwa 21 Millionen sozialversicherten Vollzeitbeschäftigten 3,38 Millionen, die weniger als 2000 € brutto im Monat verdienen. Deshalb muss nicht unser gesamtes Wirtschaftssystem in Frage gestellt werden. Aber viele der jetzigen staatlichen Subventions- und Zuschussmaßnahmen schon.

Wo ist die Kreativität und das gesellschaftliche Engagement allen Menschen eine Perspektive für ihr Leben zu geben? Im Moment steht nur der Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens und einer Grundrente im Raum der öffentlichen Debatten. Ist das genug?

Es scheint, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Notwendigkeit immer weiter auseinanderklaffen. Wer oder was kann uns aus dieser Fehlentwicklung führen?

Autor: Kerstin Leitner

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