Impfpflicht – ja oder nein?

„Vorsicht, Spaltung“ unter diesem Titel erschien im Tagesspiegel am 10.12. ein Leitartikel. Weiter hinten im politischen Teil derselben Ausgabe eine ganzseitige Anzeige, von fast 100 Unternehmen gesponsert, unter der Überschrift „Impfen. Jetzt!“ Darin wenden sich die Unternehmen, die einen Querschnitt durch die deutsche Unternehmenslandschaft abbilden, an die fast 14 Millionen Ungeimpfte in unserem Land.

Die Argumente sind klar und für Nicht-Impfskeptiker nachvollziehbar. Aber sind sie verständlich, überzeugend für die, an die man sich wendet? Ich fürchte nein.

Wie die Debatte in den Medien geführt, und über was berichtet und kommentiert wird, es fehlen die Aspekte, die die Menschen an der Politik im Kampf gegen Corona, umtreiben. Im Leitartikel werden die 14 Millionen zwar charakterisiert als Rechtsextreme, Querdenker, Schwurbler und Ängstliche, aber es wird nicht klar, dass, um diese Gruppen zu erreichen, ganz unterschiedliche Ansatzpunkte gewählt werden müssen. Nur durch eine kluge Unterscheidung im Ansatz und Stil wird man einige, hoffentlich viele von diesen 14 Millionen eines Besseren überzeugen können.   

Ich gehe davon aus, dass die Gruppe der Rechtsextremen mit Abstand die kleinste ist. Teile von ihren Mitgliedern sind verkappte Anarchisten, die wissen, dass sie die liberale Mehrheit und den Staat, der die Mehrheit vertritt, am besten mit nationalsozialistischen Sprüchen und verbaler Gewalt provozieren können. Ich lasse diese Gruppe einmal beiseite.

Esoterische Querdenker und Schwurbler wird man wohl mit erhöhtem Druck zu einer Anpassung an die gesellschaftliche Mehrheit bringen können. Die gestiegene Impfbereitschaft seit 2 G zeigt es ja.

Aber die größte Gruppe sind doch wahrscheinlich die Ängstlichen, und um die sollten die Medien sich vorrangig bemühen, um Brücken zwischen der Politik und den Bürgern zu bauen.

Angst ist meistens emotionsgesteuert und nicht vom Kopf. Also muss man die Emotionen angehen, mit Empathie zuerst, und dann mit guten Argumenten. Empathie heißt, dass man Verständnis zeigt für die Ängste, sie ja wahrscheinlich auch selber hat. Aber wer sich impfen lässt, hat Wege und Mittel gefunden, diese zu überwinden.

Letztendlich aber gilt: Allgemeines Impfen, ja oder nein, ist keine Gewissensfrage, sondern eine Frage, die mit Vernunft beantwortet werden kann. Für mich gilt, der Staat hat sich verantwortlich gezeigt, die Gesundheit der Menschen durch für sie kostenfreie Impfungen zu schützen. Er hat dafür Steuermittel verwandt, um das Allgemeinwohl zu erhalten. Gut so! Die Impfungen haben es ermöglicht, dass viel weniger Menschen an diesem neuen Virus ernstlich erkrankt und gestorben sind. Diejenigen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, sind eine so kleine Gruppe, dass sie die Immunität der Gesellschaft nicht in Frage stellen.

Alle übrigen Vorbehalte und politische Opposition zur Regierung gehören in andere Zusammenhänge, aber nicht in den der öffentlichen Gesundheitsmaßnahmen. Es wäre hilfreich für alle, wenn die veröffentlichten Medien, diese Linie konsequent durchhielten. Vielleicht färbt eine solch klare  Berichterstattung dann auch auf die privaten Debatten, wenigstens etwas, ab, und stärkt die Zivilität in unserer Gesellschaft.

Autor: Kerstin Leitner

siehe Webseite

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