Die globale Pandemie Covid-19 und was macht die WHO?

Hohe Sichtbarkeit am Beginn der Epidemie

Beim Ausbruch der Epidemie in China war die WHO in unseren Medien sehr präsent. Insbesondere der Besuch des Generaldirektors in Peking Anfang Januar fand ein weites Medienecho. Als die Epidemie nach Europa schwappte, waren die Warnungen der WHO noch hörbar, aber sie wurden überlagert von den Stimmen nationaler Politiker. Zum damaligen Zeitpunkt setzte die WHO schon ihre gesamte institutionelle Kapazität ein, um länderspezifische Antworten zu finden. Selbst wenn Länder keine Hilfe anforderten, organisierte die WHO technische Missionen, z.B. in China Mitte Februar, in Italien Anfang März, kurz darauf nach Ägypten, den Iraq, und nach Aserbeidschan um den Stand der Epidemie dort zu beobachten und die ergriffenen nationalen Maßnahmen zu begutachten. Die Erkenntnisse fließen zurück an die nationalen Gesundheitsbehörden und dann in einen aktualisierten Maßnahmenkatalog, der Gesundheitspolitikern in allen Ländern zur Kenntnis gebracht wird, einen sozusagen technischen „Werkzeugkasten“.

Heute: kontinuierliche Arbeit im Hintergrund

Da es keine standardisierten Therapien und Impfungen gibt, mussten die gesundheitspolitischen Maßnahmen sich darauf konzentrieren, die Ansteckungen soweit zu verlangsamen, dass die nationalen Gesundheitssysteme den Anforderungen gerecht werden konnten. Nicht immer ist der Rat der WHO zeitgerecht gewesen. Aber Länder, bei denen der Virus spät und nur vereinzelt auftrat, konnten aus den Versäumnissen lernen. So unterwarfen afrikanische Länder alle Reisenden aus dem Ausland einer rigorosen Quarantäne. Sie riegelten nicht alle Grenzen ab, aber sie schützen sich gegen ein weiteres Eindringen des Virus. Die lokale Wirtschaft wurde nicht so drastisch runtergefahren wie in Europa und anderswo. Die Hoffnung ist groß, dass die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um die Zeit bis zur Bereitstellung eines Impfstoffes zu überbrücken.

Hauptaugenmerk gilt der Forschung und Entwicklung einer Therapie und Impfstoffes

Das Hauptaugenmerk der WHO richtet sich jetzt auf die Forschung und die Entwicklung therapeutischer Behandlungen und eines geeigneten Impfstoffes. So testet die WHO in einer Studie „Solidarity Trial“ die Anwendung des auf dem Markt vorhandenden Mittel Remdesivir und vergleicht es mit Standardbehandlungen und Virenhemmern aus der Aids Therapie. Die Arbeit von anderen Forschungsgruppierungen wird verfolgt und die Firmen, die an der Entwicklung eines Impfstoffes arbeiten, gelistet. Etwa 20 Firmen werden bisher auf der Liste der WHO Webseite genannt.
Später, wenn Therapien und Impfungen zur Zulassung anstehen, wird es Aufgabe der WHO sein, einen internationalen Standard zu setzen, und insbesondere darauf achten, dass etablierte Ethikstandards eingehalten werden, zum Beispiel bei der Durchführung von klinischen Tests.

Standards für pharmazeutische Wirkstoffe und Verfügbarkeit für alle

Auch bereitet sich die WHO auf die Verhandlungen zwischen Gesundheitsbehörden und der Industrie vor. Denn sie muss Sorge tragen, dass die Preise für die pharmazeutischen Produkte so gestaltet werden, dass sie in allen Ländern zur Anwendung gebracht werden können.
Seit Anfang April konzentriert sich die WHO auf diese Aspekte der Bekämpfung der Pandemie. Dies sind keine Tätigkeiten, die Schlagzeilen produzieren, und beim jetzigen Stand der Dinge im Fluß sind.
Somit unterliegen sie einer gewissen Vorläufigkeit, sprich Vertraulichkeit. Bekanntmachen wird die WHO nur, wenn Ergebnisse erreicht wurden. Aber dies wird noch eine Weile dauern.

Transparenz: Berichte, die allen zugänglich sind

In der Zwischenzeit hält der Generaldirektor wöchentlich 3 Pressekonferenzen ab, die jeder live verfolgen kann, und die auf der WHO Webseite als Video auch hinterher noch zur Verfügung stehen. Übrigens warnt die WHO dort auch vor fake news, und Mythenbildung.
Wenn man genau hinschaut, kann man sehen, dass die WHO ihrer Aufgabe als Monitor, Koordinator und Kooperationspartner für internationale Medien, Forscher, medizinisches Personal und Regierungen gerecht wird, und aktiv ist, um gemeinsam eine effektive Antwort auf die Pandemie zu finden, die Menschenleben schützt, wo immer der Virus angreift. Dabei gilt für die Organisation, die nationalen Antworten auf die Pandemie können verschieden sein, solange sie effektiv wirken. Kritik an nationalen Maßnahmen werden leise und hinter den Kulissen geäußert, aber Erfolge öffentlich bekannt gemacht.

Der Streit Trumps mit der WHO

Zum Streit Trump – WHO möchte ich nur sagen, dass nach der Entscheidung des amerikanischen Präsidenten, die US Beiträge an die WHO zu stornieren, noch einige Gespräche stattfinden werden. Darüber hinaus kann ich, auf der Basis von früheren Erfahrungen, nur sagen, wenn immer die USA im Streit eine UN Organisation, z.B. UNESCO, verliessen, dann überlebte die Organisation, aber die US Vertreter befanden sich im Abseits. Irgendwann traten die Vereinigten Staaten dann der Organisation wieder bei, denn ohne Beitragszahlungen hat die amerikanische Regierung kein Vertretungs- und kein Stimmrecht. Übrigens machten die anderen Mitgliedsländer und die Mitarbeiter der jeweiligen Organisation ihre Arbeit unbeirrt weiter, und gaben den amerikanischen Forderungen auch nicht nach. Einige Mitgliedsländer und internationale Stiftungen erhöhten ihre Zahlungen an die betroffene UN Organisation und glichen so den „Verlust“ der ausbleibenden amerikanischen Zahlungen aus. So wird es sicherlich auch bei der WHO sein.

Nun ist unbestreitbar, dass auch die WHO Führung zu Beginn der Epidemie Fehler gemacht hat. In meinem ersten Blog habe ich darauf hingewiesen. Ebenso unbestreitbar ist aber auch, dass dieser Coronavirus ungleich aggressiver und virulenter ist als alle bisherigen. Die Erfahrungen mit SARS und MERS helfen da also nur bedingt, aber dieser Unterschied erklärt, warum heute so viele meinen, die WHO, China und andere Regierungen hätten zu lange gezögert. Diese Kritik erscheint mir wohlfeil. Denn: hinterher ist man immer klüger, nicht wahr?

Sicherlich wird es in einigen Monaten eine Evaluierung geben, wie die WHO reagiert und agiert hat. Auf der gerade zu Ende gegangenen World Health Assembly wurde nun in der Tat eine solche Evaluierung beschlossen. So wird man aus den Fehlern und Schwächen lernnen können, und entsprechende Verbesserungen vornehmen. Eins ist für mich sicher, es wurde sehr vieles sehr gut gemacht, und aus den Fehlern wird man lernen. Das Gleiche gilt für China, allerdings mit Abstrichen. Ich finde den augenblicklichen Kommunikationsstil der chinesischen Behörden sehr kontraproduktiv. Bei SARS war es zu Beginn der Epidemie ähnlich. Die UN Organisationen UNDP/WHO stellten damals einen internationalen Kommunikations Experten zur Verfügung, und die Kommunikation verbesserte sich zusehens. Es scheint, auch dieses Mal könnten die chinesischen Behörden von einer solchen Hilfe profitieren.

Bis heute wissen wir nicht genau, wie, wo und wann der Virus auf Menschen übertragen wurde. Es gibt Vermutungen, aber keine gesicherten Erkenntnisse. Bis heute wurde noch kein tierischer Zwischenwirt für den Coronavirus zwischen den Fledermäusen und dem Menschen gefunden.

Darüber hinaus steht immer noch die Vermutung im Raum, dass der Virus aus einem Forschungslabor in Wuhan „entwischte“. Ich kann nur wünschen, dass die chinesischen Behörden, möglicherweise in Zusammenarbeit mit WHO Experten die Sicherheitsvorkehrungen an diesem Institut, das eine ausgezeichnete internationale Reputation hat, überprüfen und verbessern. Dies muss im Einzelnen nicht an die große Glocke gehängt werden, aber es sollte geschehen, und die Öffentlichkeit darüber informiert werden, dass eine Überprüfung durchgeführt wird. Dann werden auch noch viele mehr mit großem Vertrauen den Verlautbarungen der WHO Gehör schenken.

Autor: Kerstin Leitner

siehe Webseite

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